Einzelarbeit – Performance und Tanz

Am Anfang eines schöpferischen Prozesses steht der gähnende Abgrund, der ängstigt und das Nichtwissen einfordert.

Die Selbstversunkenheit, die sich meist nur spärlich zeigen will, ist Voraussetzung und Notwendigkeit, um schöpferische Schätze vom eigenen Grund zu bergen.

Die Beobachtung des Moments und das sinnhafte und zweckfreie Spiel mit den Dingen, die mich umgeben, die Beschäftigung mit dem eigenen und fremden Körper, der Selbstausdruck und die breite, offene Wahrnehmung ist die Antwort auf die Entscheidungsfrage, die  zwischen Erkenntnis und Davonrennen liegt.
Die Überzeugung, dass die Erkenntnissuche der einzige Grund und zugleich Erlaubnis zum Leben ist, macht Davonrennen zwecklos.

Es gibt kein Entkommen durch Selbstzerstreuung, durch das Blättern im Buch der endlosen Lustbarkeiten. Die unüberschaubare Anzahl von Möglichkeiten hemmt allzu oft den Lebenshunger und führt zu einer unerklärlichen Appetitlosigkeit.
Die Antwort darauf ist eine Massnahme zur Reduktion und Einschränkung auf Notwendiges, auch auf die Gefahr hin, dass ich etwas versäume, mir etwas entschlüpft. Es gibt kein Bereuen. Über allem schillert die Frage „Was bewegt mich in meinem Menschsein?“

In der Einzelarbeit öffne ich die Tür zu meinem Atelier und bitte den Gast einzutreten. Aufregend ist es für beide. Auch nach Jahren der wiederkehrenden Begegnung mit diesem Moment, bleibt ein wirkendes Geheimnis darin verborgen.
Keine Begegnung, keine Äusserung ist gleich. Es gibt keine Gebrauchsanleitung, keine Partitur. Gemeinsam wird eine Bewegungsrichtung gesucht, die oft erst am Ende eines Abschnitts lesbar wird.
Prozesshaftes Arbeiten lädt zum Entdecken auf einer Abenteuertour ein. Es bleibt immer ein Versuch und bietet dabei weisse Wände als Projektionsfläche für intuitive Äusserungen oder Themen an. So finden unterschiedliche Fähigkeiten und Voraussetzungen ihren Raum zur Entfaltung.

In der Körperarbeit werden Voraussetzungen geschaffen, um die Sinne und Fertigkeiten des Körpers für performative Entdeckungstouren zu öffnen und auszubilden.

In der performativen Arbeit steht der Selbstausdruck im Zentrum. Hier werden keine vorgefertigten Mittel angeboten oder eingesetzt. Zuerst wird immer im eigenen Fundus geforscht, um den authentischen Fingerabdruck zu hinterlassen.