Laboratorium für Artenschutz

Das Kunstprojekt Laboratorium für Artenschutz versteht sich als Experimentier- und Forschungsfeld zwischen Alltag und Kunst, Leben und Inszenierung, zwischen Dasein und Bühne.
Es richtet sich an eigen-sinnige ArtgenossInnen mit dem Ziel, deren (Über-) Lebenschancen zu verbessern und die Artenvielfalt für uns alle zu erhalten.

Aktuelle Studien weisen daraus hin, dass der öffentliche Raum mit grösserer Artenvielfalt eine stärkere positive Wirkung auf die Psyche menschlicher Besucher ausübt, als eine relativ artenarme Umgebung.

Verschwinden Arten, kommt es zu Verschiebungen oder sogar zu Ausfällen in den Funktionen innerhalb des Systems. Auch ist es kaum möglich vorherzusehen, ob ein Verschwinden grosse oder kleine Veränderungen bewirkt.
Ein möglichst umfassender Schutz der gesamten Artenvielfalt ist daher ein Gebot im Sinne einer Präventionsmassnahme für eine intakte und lebenswerte Welt. (Dass es sich hierbei nicht um die Pflege von individuellen Eigeninteressen handelt, scheint selbstverständlich.) Die Schutzmassnahme ist zugleich eine Verpflichtung gegenüber unserer eigenen Nachfolgegeneration.

Dafür braucht es die nachhaltige Etablierung des Schutzgedankens. Eine breite, leibliche Erfahrung der Menschen für den Wert der Artenvielfalt ist notwendig, um diese Einsicht im eigenen Leben zu verankern.

Vom Ort der Begegnung, des selbstversunkenen Spielens, des Suchens und Erprobens fliessen Ergebnisse von angehenden Experten des Eigensinns und der Eigenarten, direkt in die Versuchsanordnungen hinein. Die Zwischenergebnisse aus dieser Laborsituation werden geordnet, ausgewertet, weiterentwickelt und öffentlich gemacht.

Inszenierungsstrategien und Zuschauerpartizipation dienen dazu, gesellschaftlichen Bewegungsdynamiken tiefer auf den Grund zu gehen, den Fragenkatalog rund um das Thema des Menschseins zu erweitern und dabei möglicherweise Antworten zu finden, die das Menschsein, in all seinen schillernden Ausformungen, zum Wohle aller ermöglichen. Der experimentelle Charakter bleibt auch in der Inszenierungssituation bestehen.

Produktionen, öffentliche Proben und Positionspapiere dienen zur Verbreitung vorläufiger Forschungsergebnisse und zur Vernetzung mit Menschen und Institutionen, die an den gleichen Zielen nachhaltig arbeiten.
Wir verhandeln die «Barrierefreiheit» des eigenen Kopfes, lassen ihn auch über seine Bordsteinkanten stolpern, damit er erkennen kann, wo Behinderung anfängt.

Die Arbeit im Laboratorium versteht sich als Entwicklungsraum. Hier werden Methoden angeboten, die vor allem an den Alltagsfähigkeiten der Forschenden ansetzen. Diese zur Eigenbeobachtung und Reflexion anzuregen und sie mit ihrem authentischen Selbstausdruck zu verbinden, ist ein zentrales Ziel.
Die dafür geeigneten Medien sind in erster Linie der eigene Körper, seine alltägliche wie auch tänzerische Bewegung, seine Sprech- und Singstimme.
Sich auf den eigenen Körper und seinen ureigenen Ausdruck im Bühnenraum zu reduzieren ist ein eindeutiges Statement in einer Zeit des Übermasses, des Überschusses und der Überästhetisierung der Alltagswelt.

Neben der Arbeit am Eigenen mittels Selbsterforschung, geht es immer auch um das Andere, den Anderen und dessen Welt. Diese Teilhabe trägt als rückbezüglicher Prozess, ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten in sich, auch wenn dies anfangs ein Verlassen der gewohnten Komfort- und Schutzzone bedeuten kann.

Die Integration des Alltags ins Labor und der Labor-Erfahrungen in den Alltag ist für die Entwicklung gesellschaftlich relevanter und alltagsbezogener Inhalte von grosser Bedeutung. Die Spass- und Eventkultur verstellt manchen Blick auf Wesentliches. Dagegen ist das Aufstöbern, Aufdecken und Aufstören der sinnlichen Wahrnehmung, der verinnerlichten Grundhaltungen und Werte und die daraus resultierenden Handlungsschritte, zunächst einmal eher eine ungewohnte, unbequeme Art sich das Leben zu erschliessen.
Mir scheint ein Infragestellen unserer gewohnten Selbst-, Fremd-, und Weltwahrnehmung notwendige Voraussetzung, um an gesellschaftlich relevante, universelle Themen und Handlungen zu gelangen.
Festzustellen, dass die Eigenwahrnehmung fast nie mit der Fremdwahrnehmung deckungsgleich ist, bringt manches Lächeln hervor –  ein wunderbarer Anknüpfungspunkt für ausgedehnte und mutige Forschungsarbeiten –  weit über die Laboratoriumsgrenzen hinaus – in fremde und ungewohnte Lebens- und Arbeitsbereiche hinein.

Das Laboratorium gibt einerseits öffentliche Einblicke in Proben- und Erarbeitungsprozesse und bietet sich als mobiles Experimentierfeld für Menschen an, die <Inklusion> über eigenes, leibhaftes Erleben aufspüren und darüber zu eigenen, verhandelbaren Positionen gelangen wollen.